Planungswettbewerb Gestaltung Kirchplatz Latsch
Zweiter Position
Client: Gemeinde Latsch

Mitarbeiter:
Arch. Davide Piubello
Arch. Marco Ricca
Jahr:2023
Typologie:-
KlimaHaus:-
Bauweise:-

Das Ziel des Wettbewerbsbeitrages ist es, durch die Neugestaltung des Kirchplatzes, einen neuen belebten, flexiblen und einfach zu nutzenden Raum für Latsch zu schaffen.
Der Dorfplatz ist heute ein verkehrsreicher, überbenutzter öffentlicher Raum: er fungiert als notwendige Durchfahrt für Autos, welche zu den jeweiligen bestehenden Einfahrten müssen, als stark genutzter Parkplatz und, für einen begrenzten Teil seiner Fläche, als Außenterrasse der bestehenden Bar an der Ecke zur Hauptstraße.
Das Konzept des Projektes zielt darauf ab, alle Nutzungsmöglichkeiten so zu hierarchisieren, auszugleichen und zu ordnen, dass sie klar erkennbar sind und Überschneidungen so weit möglich vermieden werden.
Die Gestaltung des Platzes nimmt als Fokus das Tor in der Umfassungsmauer der Kirche: der Eingang und Ausgang der Kirche, die Kirche als das Element mit hohem architektonischen Wert und großem Identifikationscharakter für die Bewohner des Dorfes sind der Ausgangspunkt der Platzgestaltung.
Von den Kanten des Eingangstors gehen zwei ordnende Achsen aus. Sie verbinden die Nordseite des Platzes mit den beiden Gebäuden auf der gegenüberliegenden Seite im Süden. Daraus ergeben sich die beiden Hauptbereiche des neuen Platzes: • der zentrale Bereich wird bei Festen, Märkten und Feiern der eigentliche Kirchplatz. Er bleibt für den notwendigen Durchfahrtsverkehr der Anrainer zu den Eingängen und Zufahrten der Gebäude immer frei und nutzbar.
• die seitlichen an den Kernplatz angrenzenden Bereiche, in denen sich die Außenterrasse des Cafés und die durch die Bäume beschatteten Fahrradstellplätze befinden. Die Eingänge der Gebäude, die den Platz umschließen, begrenzen und bestimmen die Ausmaße dieser neu entstehenden seitlichen Inseln.
Die beiden Bereiche unterscheiden sich auch durch die Verwendung unterschiedlicher Pflastersteine: startend von der Kirchenmauer werden die Hauptstraße, die Mitte des Platzes und die Zugänge zu den Gebäuden mit roten Porphyrwürfeln gepflastert, die Seiteninseln hingegen mit grauem Granitpflastersteinen, welche von weißem Marmor umrandet werden, sie nehmen Bezug auf die bestehenden Hauseingänge.

Die Wahl dieser lokalen Steine verortet den Kirchplatz klar in der vinschger Bautradition, viele Gehwege und Plätze von Latsch sind heute so gepflastert;
Porphyr und Granit sind leicht zu pflegen, witterungsbeständig und sie halten dem Fahrzeugverkehr stand. Entlang der beiden Hauptachsen finden Bänke, Pflanzentröge und Papierkörbe ihren Platz. Die Sitzgelegenheiten erlauben es den Nutzern über den ganzen Tag zu entscheiden, ob sie lieber in der Sonne oder im Schatten der Bäume sitzen möchten; die Einrichtungsgegenstände am Platz wiederholen sich auch an den Bushaltestellen und binden diese zusammen mit dem gemeinsamen Bodenbelag in das Platzkonzept ein. Die Gestaltung der Zebrastreifen folgt den Hauptachsen des Platzes, um die Öffnung zum Platz hin zu unterstreichen. Die Hauptstraße wird auf die gleiche Höhenkote wie der Kirchplatz gebracht. Die beiden Bushaltestellen werden in das neue Platzdesign integriert, wobei nur die Haltestelle (Richtung Meran) etwas nach Osten verlegt wird, an eine Stelle vor der Sparkasse, an welcher der Bürgersteig bereits breiter ist und sich für die neue Positionierung der Bushaltestelle mit den passenden Bänken eignet.
Der Brunnen in seiner angestandenen Nische an der Hauptstraße präsentiert sich bereits als "Wohnzimmer", das zum Sitzen und Warten einlädt, es werden nur Bänke mit dem neuen Mobiliar ergänzt und der gleiche Porphyrbelag fortgeführt.
Das gesamte Freiraummobiliar ist so konzipiert, dass es leicht verschoben und entfernt werden kann: dadurch kann eine maximale Flexibilität der neuen Bereiche gewährleistet und eine Anpassung an alle heutigen und geplanten Nutzungen garantiert werden.
Die Bänke wurden als bewegliche Elemente angedacht. Die Sitzfläche aus Holz liegt auf einem Metallrahmen.
Dieser kann aus der Projektachse in den Platz hinein gedreht werden. Auf diese Weise können die Sitzflächen zur Veranstaltung hin rotiert werden.

Ebenso können diese Elemente auch bei Märkten von den Austellern als Begrenzung oder als Ausstellungsfläche genutzt werden.
Die Bank besteht aus einem relativ kleinen, quadratischen Betonblock als Gegengewicht für das bewegliche Bankelement (das auch über einen Klappfuß zur Stabilisierung verfügt). Dieser Betonsockel soll mit Metall verkleidet werden.
Alle Metalloberflächen des Freiraummobliars, der Pflanzentröge, die Radständer und Beleuchtungskörper werden in der Dorffarbe RAL Mars beschichtet werden.
Die Pflanzentröge sind auch quadratisch, klein gehalten, damit auch sie bei Bedarf leicht verstellbar sein werden.
Durch die Erneuerung des Bodenbelages von der Hauptstraße bis hinunter zum südlichen Ende des Platzes entsteht ein konstantes und sanftes Gefälle. Das Oberflächenwasser kann so sicher abgeleitet und gesammelt werden. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Beleuchtung gewidmet, um den neuen Platz attraktiv zu gestalten und gleichzeitig seine Flexibilität für jede Art der Nutzung zu gewährleisten. Es sind zwei Beleuchtungsarten vorgesehen:
• eine indirekte, zurückhaltende Beleuchtung, welche die Fassaden der Gebäude am Platz sanft in den Vordergrund bringen, wobei die Beleuchtungskörper aber fast unsichtbar sein werden. Auf diese Wiese wird einen homogener Hintergrund erzeugt, der den gesamten Platz begrenzt.
• eine funktionale Beleuchtung, um möglichen Konfliktzonen zwischen Fahrzeug- und Fußgängerverkehr auf dem befahrenen Platz normgerecht auszuleuchten.
Aufgrund der Breite des Platzes sollen Seilspannleuchten eingesetzt werden. Diese können auch je nach Bespielung des Platzes gedimmt werden.
Wie in der Ausschreibung gefordert wurden für den Barbetrieb 14 Tische mit je 4 Stühlen in den ersten beiden Inseln an der westlichen Seite des Platzes bereitgestellt. Für eine mögliche Umnutzung der Autowerkstatt als Eisdiele wurden nochmal 5 Tische mit je 4 Stühlen in den kleineren, anschließenden Inseln geplant.
Auf dem östlichen Streifen des Platzes finden 20 Radabstellpätze und eine eigene Elektroradladestation am Eingang des Platzes ihre ideale Position. Die Stellplätze der Fahrräder sind vom Platz sowohl durch die Sitzbänke und Blumentröge als auch durch 3 Bäume abgetrennt.
Um die Bäume wurde der Pflasterbelag ausgespart und das Erdreich mit einem bodenbündigen, befahrbaren Metallgitter abgedeckt. So haben die Bäume ausreichend freies Erdreich, um sich entfalten zu können. Die Gitter ermöglichen eine freie Befahr- und Bespielbarkeit des Platzes.
Die Entwurfsidee verfolgt das Ziel, mit einer zurückhaltenden Formensprache und Materialwahl, Platz für das Dorfleben in Latsch zu schaffen und gleichzeitig den Anrainern ihre gewohnten Wege frei zu halten und die Zugänglichkeit zu ihren Häusern und Grundstücken zu erleichtern.

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